EIN FILM VON
ŠTĚPÁN ALTRICHTER

AB 21. MAI 2020 IM KINO

NACH EINEM 

ROMAN VON

JAROSLAV RUDIŠ

 

Vandam lebt in einer Plattenbausiedlung am Rande von Prag. Hier hat er schon seine Kindheit verbracht, hier ist er zu Hause. Vor allem in der Kneipe Severka, wo er von seinen Trinkkumpanen als Nationalheld gefeiert wird, weil er 1989 – zumindest behauptet er das – die Samtene Revolution losgeschlagen hat. Zuschlagen kann Vandam nämlich. Das ist seine Art, sich im Leben durchzusetzen. Aber er hat auch eine andere Seite – eine freundliche, unsichere, verletzliche. Die kommt zum Beispiel immer dann durch, wenn er sich um Lucka bemüht.

Vandam ist ein zwiespältiger Held, der schnell gewalttätig wird und damit die Kontrolle in seinem Kiez behält, aber auch hilflos erscheint, sobald er seine vertraute Umgebung verlässt. Die Regeln, mit denen er aufgewachsen ist, gelten heute nicht mehr. Die Welt ist viel komplexer geworden, und auch die Wertvorstellungen haben sich gewandelt. Štepán Altrichters zweiter Spielfilm, nach dem gleichnamigen Buch von Jaroslav Rudiš, ist eine treffende Mentalitätsstudie über Befindlichkeiten im dreißigsten Jahr nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. * 

"Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen"

*Katalogtext FilmFestival Cottbus, Christina Frankenberg

REGISSEUR ŠTĚPÁN ALTRICHTER

ÜBER DEN FILM

BIOGRAFIE

"NATIONALSTRASSE ist eine lustig-traurige Geschichte über Einen, der die heutige Zeit nicht mehr versteht. Der Film spielt in den Vororten von Prag - genauso könnte er aber auch in einem Vorort einer deutschen Stadt spielen. Und manchmal sieht man, was mit der heutigen Zeit nicht stimmt sogar besser, wenn man woanders hinschaut. Denn Vandam ist einer von den Vielen heute, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen und sich deswegen eigene und nicht immer friedliche Wege suchen. Diese Entwicklung gibt es in Tschechien, in Polen, der Slowakei, Ungarn, diese Entwicklung gibt es aber auch in Deutschland.
Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht.
Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst."

Štěpán Altrichter wurde 1981 im tschechischen Brno/Brünn geboren und lebt heute in Berlin. Dort studierte er Philosophie und Psychologie an der Freien Universität und begann anschließend sein Regie-Studium an der renommierten Filmuniversität Potsdam-Babelsberg. Er realisierte unter anderem den Kurzfilm Did Michael Knight end the Cold war?, der auf über 30 Festivals spielte. Mit seinen Dokumentarfilm Aleyna – Little Miss Neukölln gewann er zahlreiche Preise, darunter den Berlin Award und den Geisendörfer Preis „Bester Deutscher Kinderfilm“.
Sein Langsspieldebüt Schmidtke wurde unter anderem mit der Auszeichung „Bestes Debüt“ beim FilmFestival Cottbus bedacht, gewann den FIPRESCI Preis der deutschen Filmkritik, den Filmkritikerpreis „Discovery of the year“ und wurde außerdem mit zwei Böhmischen Löwen ausgezeichnet. Sein zweiter Langfilm Nationalstraße feierte beim FilmFestival Cottbus seine Premiere und wurde zum Kinoerfolg in Tschechien.

AUTOR JAROSLAV RUDIŠ

ÜBER DEN FILM

BIOGRAFIE

"Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben
viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen."

Geboren 1972, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Dramatiker und Musiker. Er studierte Deutsch und Geschichte in Liberec, Zürich und Berlin, arbeitete u.a. als Lehrer, Journalist und hatte 2012/13 eine Gastprofessur an der Humboldt- Universität zu Berlin inne. Im Luchterhand Literaturverlag erschienen seine aus dem Tschechischen übersetzten Romane „Grand Hotel“, „Die Stille in Prag“, „Vom Ende des Punks in Helsinki“ und „Nationalstraße“, bei btb außerdem „Der Himmel unter Berlin“. 2018 veröffentlichte er den Kurzprosa-Band “Der Besuch von Herrn Horváth" bei Edition Thanhäuser, illustriert von Christian Thanhäuser. Für seinen Roman „Winterbergs letzte Reise“ wurde er 2019 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Nachdem bereits sein erster Roman „Grand Hotel“ verfilmt wurde, kam 2013 auch seine Graphic Novel „Alois Nebel“, illlustriert von Jaromír 99, in die Kinos. 2014 erhielt Jaroslav Rudiš den Usedomer Literaturpreis, 2018 wurde er mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet, 2020 mit dem Chamisso-Preis/Hellerau. Seine Romane „Grand Hotel“, „Alois Nebel“ und nun auch „Nationalstraße“ wurden verfilmt. Als Musiker veröffentlichte er mit der Kafka Band bereits zwei Alben.

 
 
 

TERMINE

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